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Vorwort

"Zum guten Ton gehört Dual", an dem Slogan hat sich in all den Jahrzehnten nichts geändert. Aber welcher Dual soll diesen Ton denn nun erzeugen? Brauche ich unbedingt das Topmodell? Worauf kommt es denn wirklich an? Für die Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen soll hier eine Hilfestellung gegeben werden. Eine konkrete Empfehlung "nimm Modell xy" gibt es hier nicht ... das wäre ja auch viel zu einfach ;)

Neu oder gebraucht?

Inzwischen ist das Angebot an Neugeräten wieder so breit aufgestellt, dass sowohl neu als auch gebraucht für jeden Geschmack etwas dabei ist. Aber was kommt denn für mich in Frage? Dabei muss beachtet werden, dass die historischen Plattenspieler und Plattenwechsler inzwischen locker über 50 Jahre alt sein können. Aus dem Keller holen, anschließen und alles funktioniert, das gibt es heutzutage schlicht nicht mehr.

Ein Neugerät ist die bessere Wahl, wenn ...
... der Plattenspieler jetzt, sofort, unverzüglich den Weg nach Hause finden soll
... keine räumlichen Möglichkeiten, fehlendes Wissen oder keine Lust am Basteln vorhanden sind
... Garantie gewünscht wird
... das Gerät wirklich neu sein soll, ohne Kratzer und fremde Fingerabdrücke
... kein "alter Scheiß" zuhause rumstehen soll
... die Firmen unterstützt werden sollen, die die Fahne der Dual-Plattenspieler auch heute noch hoch halten

Einen gebrauchten Plattenspieler wird dagegen kaufen, wer ...
... Lust am Basteln hat
... nur dann Freude an einem Gerät hat, wenn vorher eigene Arbeitsleistung eingeflossen ist
... gerne über einen längeren Zeitraum Kleinanzeigen und andere Plattformen abklappert, bis das passende Angebot auftaucht
... sich ein Stück Industriegeschichte nach Hause holen möchte
... auch nach dem Kauf vor gelegentlichen Wartungen und Reparaturen nicht zurück schreckt

Als Kompromiss gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit des Kaufs eines gebrauchten, aber bereits restaurierten Gerätes. Verschiedene Fachbetriebe bieten so etwas an, die Auswahl beschränkt sich aber logischerweise auf die gerade verfügbaren Modelle. Alte Plattenspieler fallen (leider) nicht in beliebiger Menge vom Himmel. Auch der Kauf eines gebrauchten Gerätes um es anschließend in einem Fachbetrieb restaurieren zu lassen ist denkbar, aber dabei bitte bedenken, dass in diesen Firmen die Mitarbeiter auch von etwas leben müssen. Mit 10 Euro kommt man da nicht weit.

Im Prinzip also ähnliche Überlegungen wie beim Kauf eines Autos. Die einen wollen das Neuwagen-Sorglos-Paket, andere suchen bewusst nach einem Oldtimer.

Antriebsarten

Der Plattenteller eines Plattenspielers soll sich möglichst gleichmäßig und möglichst geräuscharm drehen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die Ingenieure verschiedene Lösungen ausgedacht, von denen die drei relevantesten vorgestellt werden:

Treibradantrieb

Der klassische Antrieb vieler Dual-Plattenwechsler. Die gesamte Antriebseinheit lässt sich am Rande des Plattentellers unterbringen, sodass direkt unter dem Plattenteller viel Platz für die teils aufwendige Mechanik bleibt. Aus diesem Grund gibt es von Dual z.B. keinen Plattenwechsler mit Direktantrieb - es ist einfach zu wenig Platz. Der Treibradantrieb besticht durch seinen einfachen Aufbau. Der Motor dreht mit konstanter Drehzahl, die Geschwindigkeitsumschaltung und sogar die Geschwindigkeits-Feinregulierung ("Pitch") lassen sich rein mechanisch realisieren, indem das Treibrad entlang einer Stufenwelle verschoben wird.
Häufig liest man, der Treibradantrieb würde für starke Störgeräusche ("Rumpeln") sorgen. Das kann bei verhärtetem oder verformtem Gummi des Treibrades tatsächlich auftreten, ist bei den Dual-Geräten der Serie 12xx aber in der Regel kein Thema. Ältere Geräte der Serie 10xx sind teilweise aber tatsächlich von der Problematik betroffen. Achtung: Ein Treibradgerät niemals mit eingeschwenktem Tonarm lagern! Durch den konstanten Druch der Motorwelle auf eine bestimmte Stelle entstehen Dellen im Treibrad, die starke Laufgeräusche verursachen.

Riemenantrieb

Lange Zeit hat sich Dual gegen diese Antriebsart gesträubt und mit dem 601 erst 1975 dem Druck des Marktes nachgegeben. Die ersten Riemenantriebe aus den 70ern und frühen 80er Jahren verfügen über eine ausgefeilte Mechanik mit Spreizpulley, um auch eine Geschwindigkeits-Feinregulierung bei der konstanten Motordrehzahl des AC-Synchronmotors zu ermöglichen. Dual war eben im Grunde des Herzens ein Feinmechanik-Betrieb. Erst spätere Modelle nach dem Konkurs 1982 setzen auf kleinere DC-Motoren mit elektronischer Regelung. Eine Technik, die sich im Laufe der Jahre als Stand der Technik bis ins HighEnd-Segment etabliert hat.

Direktantrieb

Die Königsklasse. Bei diesem Antriebskonzept liegt der Plattenteller direkt auf dem Motor auf. Es gibt also keine weiteren mechanischen Elemente, die störende Geräusche oder Vibrationen erzeugen könnten. Um einen Motor aber sehr langsam und dabei konstant drehen zu lassen, ist eine aufwendige elektronische Regelung notwendig. Diese Technologie stand erst ab den frühen 70er Jahren zu erträglichen Kosten zur Verfügung und hielt bei Dual mit dem 701 im Jahre 1973 Einzug. Bis heute sind Direkantriebe aber am aufwendigsten und damit am teuersten in der Entwicklung und in der Produktion, sodass sie nur in zwei Produktlinien zu finden sind: Im HighEnd Bereich mit extrem guten Gleichlaufwerten und im DJ-Bereich, wo es auf extrem hohes Drehmoment ankommt, das nur mit Direktantrieben realisiert werden kann.
 

Die Wahl des Antriebes ist wie so oft eine Frage des persönlichen Geschmacks. Direktantriebe sind technisch einfach am besten, aber auch am teuersten und im Falle eines Defekts durch elektrotechnische Laien nicht zu reparieren. Ein guter Riemenantrieb steht den technischen Eigenschaften aber kaum nach und hat sich über viele Jahrzehnte als Standard etabliert. Treibradantriebe werden heute nicht mehr hergestellt und haben mit ihrem Exotenstatus auch einen besonderen Reiz.

 

Wie viel Automatik?

Auch über die Frage, wie viele Automatikfunktionen ein Plattenspieler bieten soll, entscheidet der persönliche Geschmack.

Manuelle Plattenspieler verfügen über keinerlei Automatik. Der Tonarm muss von Hand (mit Hilfe eines Lifts, den es eigentlich immer gibt) aufgesetzt werden. Nach dem Abspielen einer Plattenseite bleibt der Tonarm in der Endlosrille, der Antrieb läuft weiter. Der Tonarm muss auch dann wieder von Hand abgenommen und der Antrieb abgeschaltet werden. Für Puristen, die einen schädlichen Einfluss der Automatik auf den Klang fürchten, die erste Wahl.

Endabschaltung: Der Antrieb wird am Ende der Platte abgeschaltet, der Tonarm bleibt aber auf der Schallplatte. Bei Dual nur ganz selten zu finden, z.B. im alten 400 und 410.

Semiautomatik: Am Plattenende wird der Tonarm angehoben und der Antrieb abgeschaltet.

Halbautomatik: Am Plattenende wird der Tonarm zur Stütze zurück geführt und der Antrieb erst dann abgeschaltet.

Vollautomatik: Durch Betätigen der Start-Taste wird der Tonarm automatisch auf die Einlaufrille der Schallplatte gesetzt und am Ende zur Stütze zurück geführt. Vollautomaten lassen sich immer auch als Halbautomat nutzen, indem der Tonarm von Hand eingeschwenkt wird und der Antrieb startet.

Plattenwechsler: Ein Plattenwechsler spielt mehrere Schallplatten nacheinander ab und schaltet nach der letzten Platte ab. Plattenwechsler können immer auch als Vollautomat oder als Halbautomat benutzt werden. Nur wenige Plattenwechsler verfügen über einen höhenverstellbaren Tonarm. Die Höhe des Tonarmes ist i.d.R. auf die Mitte des Plattenstapels ausgelegt, sodass er beim Abspielen von nur einer Schallplatte leicht nach unten zeigt. Das ist unbedenklich und hat auch klanglich (wenn man überhaupt einen Effekt feststellen sollte) nur einen geringen Einfluss. Insofern kann auch derjenige getrost zu einem Plattenwechsler greifen, der eigentlich einen Vollautomaten möchte.

 

Geräteklasse

Unabhängig von den technischen Eigenschaften sind die Geräte in den Übersichten auf dieser Website in verschiedene Klassen unterteilt. Es sind nämlich nicht die Features, die einen guten Plattenspieler von einem schlechten unterscheiden, sondern die qualitative Umsetzung. Die Einstufung geschieht aus Sicht des Autors und erhebt keinen Anspruch auf hundertprozentige Korrektheit ;)

Warum gibt es denn eigentlich nicht nur die perfekten Topmodelle, wenn man doch weiß wie es geht? Ganz einfach: Um für jeden Anspruch und für jeden Geldbeutel das passende Produkt anzubieten. Das nennt sich Marktwirtschaft, funktioniert seit vielen Jahrzehnten hervorragend und an diesem Prinzip hat sich bis heute auch bei Plattenspielern nichts geändert.

Einsteigerklasse

Diese Geräte stellen das untere Ende der Produktpalette dar und sind dementsprechend einfach gehalten. Ganz ehrlich: sie haben früher schon nicht viel getaugt und das tun sie auch heute nicht. Historische Geräte der Einsteigerklasse sind in erster Linie für Sammler interessant um eine Sammlung zu vervollständigen, oder als Ersatzteilspender für höherwertige Modelle. Aber auch an solchen Modellen kann aus nostalgischen oder anderen Gründen ein Herz hängen, deshalb haben auch sie natürlich eine Daseinsberechtigung. Für Neugeräte gilt: Nicht jeder kann oder will hunderte Euros für einen hochwertigen Plattenspieler ausgeben. Aber Vorsicht: Auch Billiggeräte können die Sucht nach Schallplatten und klanglicher Verbesserung entfachen ...

Mittelklasse

Hier fängt das ernsthafte Musikhören an. Diese Modelle stell(t)en einen guten Kompromiss aus Anspruch und Preis dar und wurden dementsprechend in hohen Stückzahlen verkauft. Häufig sind sie ähnlich aufgebaut wie die nächsthöhere Klasse, aber z.B. mit vereinfachtem Antrieb und / oder Tonarm. Trotzdem kann man hier sowohl neu als auch gebraucht selten etwas verkehrt machen.

Obere Mittelklasse

Plattenspieler der oberen Mittelklasse sind meistens ähnlich aufgebaut wie die Geräte eine Stufe darunter, aber an entscheidenden Stellen weiter verfeinert. Durchweg eine Empfehlung wert. Klassisches Beispiel: 621 mit Direktantrieb, 521 mit Riemenantrieb. Ansonsten sind die Geräte nahezu baugleich.

Oberklasse

Der klangliche Gewinn gegenüber der Oberen Mittelklasse ist nur noch minimal, für den zusätzlichen Preis gab / gibt es aber eine extravagante Optik und / oder eine Funktion mehr. Wie für alle Luxusartikel gilt auch hier: Kaum jemand braucht sie, aber fast jeder will sie.

Tonabnehmer

Von entscheidendem Einfluss auf den Klang ist nicht nur der Plattenspieler selbst, sondern auch der verwendete Tonabnehmer und die Nadel. Beide Komponenten sollten von der Wertigkeit in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen. Ein HighEnd-Tonabnehmer wird an einem Einstiegs-Plattenspieler nie sein volles Potential entfalten können. Umgekehrt wird mit einem billigen Tonabnehmer ein hochwertiger Plattenspieler unnötig schlecht klingen.

Originale Tonabnehmersysteme

Dual hat ab Werk immer zur Geräteklasse passende Tonabnehmer eingebaut. Für die vor allem in Plattenwechslern eingesetzten und weit verbreiteten Shure-Systeme M75 und M91 gibt es zum Beispiel auch heute noch Ersatznadeln in verschiedenen Qualitätsklassen, darunter auch sehr hochwertige. Wenn der originale Tonabnehmer noch vorhanden ist, macht es in aller Regel Sinn, nach einer hochwertigen (!) Ersatznadel zu suchen.

Neue Tonabnehmer

Nicht für jedes System gibt es noch gute Nadeln, oder der Tonabnehmer ist nicht mehr vorhanden. Häufig kann dann ein neues System mit Halbzoll-Befestigung eingebaut werden, die dafür notwendige Justage ist zwar eine gewisse Fummelei, aber notwendig und durchaus machbar. Achtung: Für ULM (Ultra Low Mass) Tonköpfe sind Adapter notwendig, besser nach einem originalen System Ausschau halten. ULM1 und ULM2 sind außerdem nicht miteinander kompatibel.

Zur groben preislichen Orientierung für Nadeln und Tonabnehmer sei gesagt, um die 50 Euro gibt es schon brauchbares, ab 100 Euro wird es gut, über 200 Euro nochmal spürbar besser und nach oben gibt es keine Grenze ...